Unter einem Laryngospasmus versteht man eine anhaltende Kontraktion der quergestreiften supraglottischen Larynxmuskulatur mit Verschluss der Glottis, Taschenfalten und aryepiglottischen Falten aufgrund Irritation des Larynx. Dieser Reflex wird über den N. laryngeus superior vermittelt und dient primär dem Aspirationsschutz. Die Terminierung erfolgt üblicherweise durch medizinische Therapie oder Hypoxie.
Trigger
Zu den Auslösern zählen v.a. Sekrete, Blut, Atemwegsmanipulation (In-/Extubation im Exzitationsstadium, tiefes Absaugen), Medikamente (z.B. Thiopental, Esketamin) oder Schmerzen unter Larynxmaskennarkose. Meine ersten bitteren Erfahrungen habe ich so wie jeder Arzt in Weiterbildung zum Facharzt für Anästhesie und Intensivmedizin im HNO-OP insbesondere nach Eingriffen direkt an den Stimmbändern gemacht. Prophylaktische Möglichkeiten sind neben der Vermeidung von Atemwegsmanipulationen im Exzitationsstadium die i.v. Gabe von Lidocain (1,5 mg/kg) und Magnesium (15 mg/kg) besonders vor Extubation. Auch die Extubation in der Inspirationsphase des Patienten mit gleichzeitiger Generierung eines Überdruckhubs (30 cm H2O) scheint protektiv zu wirken.
Symptome
Der Symptomkomplex beinhält inspiratorischer Stridor (inkompletter Laryngospasmus) bis hin zu frustranen Atemanstrengungen (kompletter Laryngospasmus) mit Zeichen der Atemanstrengung (Einziehungen, paradoxe Atmung), rasante Hypoxie, Tachykardie und – wenn beatmet – erhöhte Atemwegsdrücke mit Haifischzacke in der Kapnographie. Eine mögliche Komplikation ist das POPE-Syndrom (Post-Obstructive Pulmonary Oedema), welches zügig oder erst wenige Stunden später auftreten kann. Einatemversuche gegen verschlossene Stimmbänder erzeugen einen Sog im perialveolären Gewebe, der Flüssigkeit aus den Lungengefäßen in die Lungenbläschen zieht sobald die Obstruktion nachlässt (Unterdrucklungenödem, POPE Typ 1). Dieses Lungenödem ist supportiv va mittels CPAP zu behandeln (Link). Es ist hilfreich, bei Beatmungsproblemen dem DOPERS-Schema zu folgen.
Therapie
Beim narkotisierten Patienten besteht die Therapie primär aus der sofortigen Vertiefung der Narkose mit Unterbrechung etwaiger Stimuli (z.B. Schmerzreiz). Tritt der Laryngospasmus nach Extubation auf, so besteht der Maßnahmenkomplex va aus:
- FiO2 100%
- Esmarch-Handgriff, Beatmungsmaske dicht aufsetzen mit CPAP 10 cm H2O
- Larson-Manöver (nach Anästhesist und Intensivmediziner Dr. Philip Larson), das heißt eminenzbasierter fester Druck in jenen Bereich, der von den Ohrläppchen verdeckt wird, hier)
- Propofol 0,5 mg/kg i.v. (halte ich bei jeder Ausleitung bereit) -> wichtig: Geduld haben (ja ich weiß die Sättigung stürzt auf Werte < 80% ab, aber einfach die Sekunden auf den Wirkeintritt warten und auf Propofol vertrauen)
- Anästhesiekollegen verständigen lassen
In refraktären Fällen ist die Gabe von Succinylcholin 0,25-0,5 mg/kg i.v. oder Rocuronium 0,15 mg/kg i.v. gerechtfertigt, um die Larynxmuskulatur zu relaxieren (Diaphragmatätigkeit und somit Atmung bleibt idR erhalten). Ist überhaupt kein IV-Zugang verfügbar (z.B. Laryngospasmus während Exzitationsphase im Rahmen einer pädiatrischen inhalativen Sevofluran-Einleitung), so besteht die Möglichkeit der intramuskulären Gabe von Succinylcholin 4 mg/kg.
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