Dexmedetomidin

Dexmedetomidin (DEX) ist ein schwierig auszusprechender α2-Agonist und Imidazol-Agonist mit anxiolytischen, sedierenden, analgetischen (u.a. Reduktion von Katecholaminen, Glutamat und Substanz P, Link) und blutdrucksenkenden Eigenschaften (Link). Katecholamine sind entscheidend an der Perzeption von Schmerzen beteiligt – die Stimulation von α2 im Hinterhorn führt zu Reduktion der Schmerzweiterleitung durch C und Aδ-Fasern. Aufgrund der kurzen Wirkdauer von nur wenigen Minuten muss die Gabe kontinuierlich über einen Perfusor erfolgen. Typischerweise wirken die Patienten schlafend, werden aber auf Ansprache wach. Das Einschleichen von Dexmedetomidin erfolgt laut Fachinformation mit 0,7 mcg/kg/h i.v. gefolgt von 0,2-1,4 mcg/kg/h je nach Bedarf. Häufig loade ich mittels Bolus 0,5 mcg/kg aus dem Perfusor. da der Wirkeintritt teils 20 Minuten erfordern kann. In vielen Arbeiten konnte bei großen operativen Eingriffen nicht nur eine Anästhetika- und Analgetika-einsparende Wirkung, sondern auch eine hämodynamische Stabilisierung nachgewiesen werden. Eine neuroprotektive Wirkung wird in den Raum gestellt und es könnte auch den Hirndruck senken.

Der große Vorteil liegt in nicht vorhandenen atemdepressiven Effekten in klinisch üblichen Dosierungen – dadurch ergibt sich ein großes Indikationsspektru:

  • Sedierung auf der Intensivstation (z.B. Weaning, CPAP)
  • fiberoptische Intubationen unter Spontanatmung (Link, Link, Link – vorteilhaft hier auch die Speichelblockade)
  • antidelirogene und analgetikasparende Supplementierung von regionalanästhesiologischen Verfahren (hier) oder Vollnarkosen (Link)
  • antidelirogene Supplementierung bei Intensivpatienten, Behandlung des Delirs (Link, Link)
  • i.n. pädiatrische Prämedikation (hier, Link, Link)
  • Shivering

Nebenwirkungen

Die wohl am häufigsten anzutreffenden Nebenwirkungen sind Bradykardie und Hypotonie. Durch Bindung an präsynaptische α2-Rezeptoren kommt es zur Auslösung eines negativen Feedbackmechanismus an adrenergen Neuronen, wodurch die Ausschüttung von Noradrenalin und Adrenalin reduziert wird.Bei Einschleichen des Perfusors ist darauf zu achten, dass eine zu schnelle Gabe von Dexmedetomidin zunächst zu einem peripheren Blutdruckanstieg führen kann. Vermutlich scheint dies durch initiale Bindung an einen Subtyp des α2-Rezeptors (α2B) bedingt zu sein. Eine andere Arbeit postuliert zusätzlich einen peripheren α1-Agonismus, an welchem DEX eine vasokonstringierende Wirkung ausübt, da die Penetration ins ZNS eine gewisse Zeit benötigt. Bei Gabe über Tage kann es übrigens bei plötzlichem Absatz zu Entzugserscheinungen kommen – daher muss Dexmedetomidin ausgeschlichen werden.


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